Betreuung von Demenzkranken durch Arbeitslose

zentralpropertydefault.gif(NORDWEST) Es war mal wieder so weit – die Bundesagentur für Arbeit hat sich der Versorgungsproblematik in deutschen Pflegeheimen angenommen. Mit der Vermittlung von Arbeitslosen in Pflegeheimen soll der wachsende Bedarf an Hilfskräften bei der Betreuung von Demenzkranken gedeckt werden. Solche Initiativen sind letztlich nicht neu – bereits 2006 hat sich eine Arbeitsgruppe der Bundesagentur mit Alternativen zu Zusatzjobs befasst und ein entsprechendes Konzept formuliert. Hier wird zwar nicht ausdrücklich auf die Pflege abgestellt, aber die Marschrichtung vorgegeben: wer nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden kann, soll eine von öffentlicher Hand finanzierte Beschäftigungsmöglichkeit erhalten, wenn damit vorhandene Bedarfe an Produkten und Dienstleistungen gedeckt würden, ohne in den Wettbewerb einzugreifen (sic!).

Nun also wieder die Pflege, schließlich rollt mit der demografischen Entwicklung einiges an Herausforderung auf die Gesellschaft zu. Niedersachsens Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) ließ sofort verlauten, dass die Qualität der Pflege oberstes Gebot sei und nur von Fachkräften geleistet werden könne (Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 18.8.2008). Ihr Parteikollege aus NRW und mit dem gleichen Ressort beauftragt, Karl-Josef Laumann, wird im Artikel mit der Forderung zitiert, dass „bei dieser Rekrutierungsaktion die menschliche Eignung der Bewerber und nicht ihre schwere Vermittelbarkeit im Vordergrund stehe.“ Für den FDP-Generalsekretär Dirk Niebel steht fest: „Die Pflege alter und kranker Menschen ist zu wichtig für eine solch arbeitsmarktstatistische Scharlatanerie.“(Hamburger Abendblatt, 18.8.2008) Und die Grüne Pflegeexpertin Elisabeth Scharfenberg ergänzt die Auseinandersetzung mit dem Hinweis, dass „man sich für den [Pflege]Beruf entscheiden muss und nicht hineinentschieden werden darf.“(Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18.8.2008)

Die Bundesagentur für Arbeit war von der Berichterstattung wohl selber ein wenig überrascht. Mit einer Pressemeldung bemüht sich die Behörde nun um Versachlichung der Diskussion. Wenngleich ein Bedarf an bis zu 10.000 zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten gesehen würde, seien derzeit lediglich ca. 500 Stellen für zusätzliche Betreuungskräfte gemeldet, beschwichtigt die Agentur. Zudem handele es sich ja gar nicht vorrangig um Pflegetätigkeiten sondern „vielmehr um Hilfsangebote, um die Erkrankten in ihrem Alltag zu begleiten, zu unterstützen und ihnen eine anregende Gesellschaft zu bieten.“

Offen bleibt einmal mehr, was in den Augen der Bundesagentur nun eigentlich Pflege sei. Das Sommerloch scheint sich zum Ende zu neigen… (Zi)

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