Mehr Style im Seattle Hope

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(NORDWEST) Die Fans haben kaum abwarten können und alle anderen haben es nicht mitbekommen: gestern hat die Krankenhausserie „Grey’s Anatomy“ wieder Einzug in das deutsche Wohnzimmer gehalten. Mit dem Start der aktuellen Staffel stellt sich dem ambitionierten Zuschauer erneut die Frage, warum in amerikanischen Krankenhäusern eigentlich nur überdrehte Ärzte und Ärztinnen rumlaufen, die eben noch in einer Keiderkammer ihre beste Freundin (wahlweise ihren besten Freund) vollheulen um im nächsten Moment bei einer komplizierten Herzoperation den alles entscheidenden (und in der Regel unkonventionellen) Geistesblitz beizutragen, der am Ende das Leben des Patienten rettet. Was übrigens vergleichsweise selten vorkommt – im Seattle Hope Hospital wird ganz schön viel gestorben, und zwar sehr spektakulär. Aber dafür wird ja umsomehr geheult, geliebt, getrennt, geflucht und versöhnt. Das Krankenhaus kommt erstaunlicherweise ganz ohne Pflegepersonal aus. Nein, stimmt nicht ganz: es gibt eine OP-Schwester, aber das wohl auch nur, um etwas Würze in die Liaison zwischen Neurochirurg und Assistenzärztin zu bringen, die eigentlich zusammengehören und deren Beziehung nun gerade mal am Boden liegt und die Liebesbeziehungspartnerschaft einseitg aber einvernehmlich gelöst wurde und nun der Mann (Arzt) mit der neuen Frau (Schwester) versucht, die alte Frau (Ärztin) eifersüchtig zu machen. Zwischendurch heult irgendjemand in der Wäschkammer. Also, arm an Klischees ist die Serie nicht. Eine der überdrehten Assistenzneurotikerinnen-Darstellerinnen hat nun eine eigene Mode-Kollektion entwickelt. Das ist für sich genommen keine Überraschung, weil das alle machen. Und letztlich ist es ja auch besser, wenn die SchauspielerInnen sich für gute DesignerInnen halten, als für gute SängerInnen. Überraschend ist allerdings, dass es sich im vorliegenden Fall um Kleidung für Pflegepersonal handelt. Die Kleidungsstücke sollen etwas Style in den sonst so glanzlosen Alltag einer Krankenschwester bringen. Drama, Baby, Drama… Woher die Actrice ihre Inspiration nimmt, erschließt sich nicht – wie gesagt, das Seattle Hope kommt quasi ohne Pflegepersonal aus. Während die blonde Nachwuchsdesignerin nun also wieder in die Krankenhausserie eintaucht und z.B. Unfallverletzten unter eingestürzten Brücken mit zufällig gefundenden Schlagbohrmaschinen Schädel eröffnet, gehe ich in die Wäschkammer. Servus. (Zi)

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2 Kommentare zu Mehr Style im Seattle Hope

  1. angelika buchner sagt:

    na ja, dumm ist die idee nicht mit der schwesternkollektion. die welt wartet nicht gerade auf die nächste parfum-, hip hop-, turnschuh-, outdoor-/indoor-sport-, deichmann-teenie-girl-band-, usw. kollektion. hier kann sich der geneigte fan zu hause ganz grey im bunten outfit fühlen 🙂 denn im krankenhaus wird sicherlich nichts davon einzug halten?! ich allerdings bevorzuge für meine mittwochabend-droge (nach der dienstäglichen dr.house dosis) ein couch-potatoe outfit. sollte sich einer der darsteller mal zum designen einer solchen kollektion berufen fühlen, könnte man sich überlegen zukünftig den darstellern im mc dreamy outfit zu lauschen 🙂

  2. Anja Sollmann sagt:

    Großartig der Beitrag! Ich habe sehr gelacht. Die Serie habe ich allerdings noch nie gesehen. Dafür weiß ich, dass ich mittwochsabends Ruhe vor dem Telefon habe, weil alle Freundinnen und Bekannte gebannt vor dem Fernseher sitzen und absolut keine Minute verpassen dürfen. Welchen Serien ich verfallen bin, verrate ich hier jedoch nicht.

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