Bundesregierung plant Absenkung des Bildungsniveaus in der Krankenpflege

uhr.jpgFünf vor zwölf war gestern: Es ist noch nicht lange her, da passte zwischen das Bundesministerium für Gesundheit und die Vertreter der Pflege kein Blatt – und kaum wähnt man sich in Sicherheit, knallt einem wieder eine Meldung um die Ohren, die neues Unheil verkündet. Auf Initiative der Fraktionen der CDU/CSU und SPD wurde dem Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages ein Antrag vorgelegt, das Krankenpflegegesetz dahingehend zu ändern, dass zukünftig Hauptschulabsolventen ohne weitere Qualifizierung in die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege eintreten können. Als Begründung für diesen Schritt wird der zu erwartende (sic!) Mangel an Pflegenden unter dem Einfluss des demographischen Wandels genannt.

Sowohl der Deutsche Pflegerat als auch der DBfK haben bereits mit ersten Stellungnahmen auf die Inititaive reagiert. (Zi)

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4 Kommentare zu Bundesregierung plant Absenkung des Bildungsniveaus in der Krankenpflege

  1. Silvia Dieckmann sagt:

    Und was hat´s genützt ? Die Experten werden gehört aber dann macht die Politik doch mal wieder was sie will -wie man folgender Pressemeldung entnehmen kann.
    Es fehlen einem fast die Worte

    Große Koalition qualifiziert die Pflege ab

    Im Rahmen der Reform des Arzneimittelgesetzes hat die große Koalition heute im Gesundheitsausschuss beschlossen, den Zugang zur Kranken- und zur Altenpflegeausbildung für Personen mit Hauptschulabschluss zu öffnen. Dazu erklärt Elisabeth Scharfenberg MdB, Sprecherin für Pflegepolitik:

    In ihren letzten Zügen stellt die Koalition die Pflege noch rasch aufs Abstellgleis. Zumindest ist sie konsequent und hat nun aus halbem einen kompletten Unsinn gemacht. Gegen jede Vernunft und jeden fachlichen Rat werden jetzt auch noch in der Altenpflegeausbildung die Zugangsvoraussetzungen abgesenkt. Damit haben Union und SPD die gesamte pflegerische Fachwelt und Praxis in letzter Sekunde völlig überrumpelt und brüskiert. In ihrer üblichen Arroganz haben sie außerdem den Antrag der Opposition auf eine erneute Anhörung abgelehnt und ihre parlamentarische Stillosigkeit unter Beweis gestellt.

    Was wie eine großmütige Wohltat daherkommt, ist in Wirklichkeit das Gegenteil. Union und SPD geben Hauptschülerinnen und –schülern nicht etwa eine neue Chance – sie verbaut sie ihnen. Denn die Anforderungen an den Pflegeberuf sind hoch und werden künftig noch höher. Schon heute scheitern viele Auszubildende an diesen Hürden. Was ist das Ziel dieser Koalition: höhere Abbrecher-Quoten? Dies sind eigentümliche arbeitsmarktpolitische Ziele.
    Hauptschülerinnen und –schüler verdienen eine echte(!) Chance. Deshalb brauchen wir dringend eine grundlegende Ausbildungsreform. Wir wollen hin zu einem abgestuften und durchlässigen Ausbildungssystem. Darin soll jede und jeder ihre/seine Qualifikation schrittweise erweitern können, bis hin zur Ausbildung an Hochschulen.

    Ein Gesamtkonzept sucht man bei der Koalition jedoch vergeblich. Zwar wird die Öffnung der Ausbildung auf zunächst acht Jahre befristet. Doch weder ist im Gesetz festgeschrieben, dass es eine wissenschaftliche Auswertung geben muss, noch wie es insgesamt mit der Pflegeausbildung weitergehen soll. Kein Wort davon, keine Idee, kein Ziel.
    Diese Koalition wirft die Pflege um Jahre zurück und hinterlässt nur unerledigte Aufgaben.

  2. admin sagt:

    Frau Scharfenberg bringt es auf den Punkt – nun liegt es in der Hand von ca. 1,2 Mio. Pflegenden in Deutschland, am 27. September eine Entscheidung zu treffen, um der von Frau Scharfenberg kritisierten Arroganz der Regierungskoalition die Stirn zu bieten. Hauptschulabsolventen um ihre Chance zu bringen, auf dem Arbeitsmarkt eine verdiente und echte Zukunftsperspektive zu bekommen, ist zynisch und menschenverachtend – und alle, die sich derzeit dafür engagieren, dass Hauptschulabsolventen diese Chance bekommen, werden von der CDU/CSU und SPD abgestraft. Dabei gibt es ein bestehendes und gut funktionierendes System der schulischen Qualifizierung, jungen Menschen aus allen Bildungsstufen eine Perspektive im Wachstumsmarkt Gesundheits- und Sozialwirtschaft zu bieten.
    Wir haben einen Punkt erreicht, wo Geld und der Druck des Arbeitsmarktes die Fürsorge für die Schwachen auf allen Ebenen endgültig in den Orkus gespült haben. Wenn das so weitergeht, lässt das nichts Gutes für die Zukunft erwarten. Heute werden Hauptschüler vorgeführt – und morgen…

  3. Ohne alle Hauptschüler über einen Kamm zu scheren bin ich der Meinung das gerade im Bereich der Alten- und Krankenpflege schon gewisse Qualifikationen mitgebracht werden müssen.
    Vorallem ist der soziale Umgang mit anderen Ménschen sehr entscheident für den Pflegebereich.
    Ausserdem gehört auch eine Menge Theorie dazu. Daher muss auch die Lernbereitschaft vorhanden sein und Hauptschulen bringen dafür nicht die besten Grundvoraussetzungen mit sich.
    Allerdings gibt es auch viele Fälle, wo Schüler sich erst später darüber klar werden was gerade für das Berufsleben wichtig ist und so sollten vielleicht spezielle Lehrgänge ins Leben gerufen werden wo die individuellen Qualifikationen der einzelnen Bewerber bewerten und ggf. fördern werden.

    admin:
    Siehe dazu auch unseren Beitrag vom 10. August: http://www.good-care.de/?p=405

  4. jan sagt:

    denke die entscheidung ist etwas überhitzt in die runde geworfen worden und auch die argumentationslinie der koalition ist etwas dürftig!
    fakt ist,dass ich mich nicht vor der idee verschliesse,dass hauptschüler einen zugang in die pflege erlangen sollten…nur muss man es an bedingungen wie z.b.praktika und daraus resultierende empfehlungsschreiben,dazu kommt,dass nicht jeder hauptschüler in die pflege will und die ausgewählten auch entwicklungspotential mitbringen müssen.
    die durchlässigkeit des system ist ja über die pflegehelferausbildung schon gegeben und da stört´s auch niemanden!
    habe selbst mit kollegen gearbeitet welche mit einem hauptschulabschluss in die krankenpflege gekommen sind und sie standen niemanden nach…genauigkeit und verantwortung können ebenso getragen werden!
    da die krankenpflege sehr stark im schatten der ärzte agiert und die eigentliche verantwortung von ärzten supervidiert wird ist die frage ob man nicht zur öffnung für hauptschüler auch eine zugang zu einem studium im patientennahen bereich für abiturienten in der pflege einrichtet und somit eine vielzahl frustrierter pflegekräfte im beruf hält und mit eigenverantwortlichkeit in einem arztefreien raum arbeiten lässt…so ist es möglich pflegehilfsberufe stärker zu intergrieren und gleichzeitig durch eigenverantwortlichkeit einen beruf in seiner gesellschaftlichen anerkennung zu rehabilitieren!

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