Bei der Kanzlerin vergeht einem die Lust

(NORDWEST) Die Kanzlerin hat die Pflege provoziert und diesen die Professionalität ihres Handelns abgesprochen. Zugleich zeiht sie die von Arbeitslosigkeit Betroffenen implizit der Leistungeverweigerung. Darüber haben wir ja gestern an diese Stelle schon berichtet. Die Verbände haben ihrem Protest schon Ausdruck verliehen.

Am Wochenende hat die Kanzlerin einen Klinikneubau eines privaten Betreibers mit einem Grußwort geadelt. Dort sagt sie – mit Blick auf die Finanzierung des Gesundheitswesens und die Möglichkeiten der Politik: „Wir können Gesetze machen und wir können Zuschüsse geben. Was wir nicht können, das ist, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Lust zu vermitteln, die Arbeit wirklich gerne zu machen.“ Man mag der Kanzlerin im letzten Punkt recht geben – und doch kommt einem sofort in den Sinn, dass die Politik aber sehr wohl dazu beitragen kann (und es bereits hat), dass den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Lust vergeht.

Wer mag, kann das der Kanzlerin auch mitteilen: der Deutsche Pflegerat hat einen entsprechend lautenden Aufruf auf seiner Homepage veröffentlicht. Also, ran an die Bulletten. (Zi)

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3 Kommentare zu Bei der Kanzlerin vergeht einem die Lust

  1. Ich habe Frau Dr. Merkel geschrieben. Siehe Weblog. Und ich fordere ALLE auf, diesem Beispiel zu folgen!

  2. Pingback: Merkel: Hartz-Bezieher in Pflege einsetzen - Nicht durch Zuwanderung beheben - Seite 3 - www.krankenschwester.de

  3. Silvia Dieckmann sagt:

    Auch wir eine Gruppe von Pflegenden hat Frau Merkel geschrieben:

    Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

    wir haben in Deutschland 1.157000 professionell Pflegende , (794000 Gesundheits- und Krankenpfleger/Innen, 363000 Altenpfleger/Innen Quelle: destatis – die aktuellsten Zahlen stammen aus 2008) die Tag für Tag in Gesundheitsversorgung und Pflege hoch motiviert und engagiert arbeiten. Und das unter Rahmenbedingungen, die schon seit Langem nichts mehr mit Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Gesundheitsversorgung zu tun haben. Weder für den Kranken / Alten noch für den Pflegenden.

    „Deutschland braucht leistungsfähige Krankenhäuser für eine hochwertige, innovative, flächendeckende und wohnortnahe Patientenversorgung. Dafür wollen wir die Grundlagen sichern und dazu beitragen, dass die Arbeit im Krankenhaus attraktiv bleibt.“

    Dieses Ziel aus dem aktuellen Koalitionsvertrag muss allen in der Pflege Tätigen wie blanker Hohn erscheinen. Es klingt wie eine Utopie aus einer anderen Zeit. Die Realität im deutschen Gesundheitswesen sieht anders aus: Zeitdruck, Rationierung und Überlastung bestimmen den Arbeitsalltag von Pflegekräften. Attraktive Arbeitsplätze sehen anders aus!

    Dass diese Situation nun noch durch Ihre (unbedachten?) Äußerungen und Ideen weiter auf die Spitze getrieben werden soll, ist für uns Pflegende nicht zu verstehen!
    Sie wollen Lösungen? Die liegen sicherlich nicht darin, mal eben 2,2 Millionen Hartz-IV-Empfänger in die Pflegeberufe zu schicken.
    Ihre Vorschläge scheinen noch immer geprägt vom Bild der Pflegekraft mit überwiegend weiblichen Tugenden, wie Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Mütterlichkeit und Aufopferung, sowie einer altruistischen Motivation bei der Berufswahl, wie sie sicherlich in den Anfängen der Pflegeberufe durchaus üblich war. Doch Pflege als Beruf ist mehr, ist anders und hat sich zu einem hochkomplexen und hochqualifizierten Beruf innerhalb des Gesundheitswesens entwickelt!

    Begriffe wie Wissen, Kompetenz und Professionalität scheinen Fremdworte, wenn Politik von Pflege / Pflegekräften spricht. Zu deutlich wird dadurch die mangelnde WERT-schätzung, die uns als Pflegefachkräften von Politik und Gesellschaft entgegengebracht wird.
    Es spiegelt die Unwissenheit über einen Beruf wider, in dem Sozial-, Kommunikativ- und Methodenkompetenzen unabdingbar sind. Der Beruf erfordert darüber hinaus ein fundamentales Wissen in Bereichen wie Physiologie, Psychologie, Medizin und Pharmazeutik.
    Das lässt sich nicht in Crash-Kursen vermitteln, sondern nur über eine gründliche Ausbildung, für die ein Mindestmaß (mittlere Reife) an schulischer Vorbildung erforderlich ist.

    Es mag sicher unter den Hartz-VI-Empfängern Menschen geben, die in der Lage und auch bereit sind, eine solche Ausbildung zu durchlaufen. Diese Menschen sollen natürlich auch gern gefördert werden. Hierzu passt allerdings nicht, dass gerade Ihre Regierung die Förderung des dritten Umschulungsjahres für solche Maßnahmen gestrichen hat.

    Ihre Aussage lässt befürchten, dass es zu einem weiteren Einsatz von „Pflegehilfskräften“ kommen soll, die, -minimalistisch ausgebildet, Teilaufgaben der Pflegearbeit übernehmen sollen. Mit einer solchen Zerstückelung der Prozesse lässt sich aber das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel (s.o.) sicherlich nicht erreichen.

    „Die in den Gesundheits- und Pflegeberufen Tätigen leisten einen wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen. Sie verdienen unseren Respekt und Anerkennung.“

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
    Sie tragen mit Ihren Äußerungen leider zum Gegenteil bei.
    Mit Ihren Äußerungen machen Sie Unwissenheit und mangelnde Anerkennung deutlich, gegenüber einer Berufsgruppe, die einen unermesslichen Beitrag zum Wohl des Gemeinwesens und für den sozialen Frieden in Deutschland beiträgt. Noch!
    Wie lange diese Berufsgruppe das unter den aktuellen Bedingungen noch leisten kann / wird, werden wir wohl alle erfahren.
    Wir alle werden alt und älter. Und spätestens dann werden wir sehen, ob es ausreicht, einfach gepflegt zu werden. Und ob jeder pflegen kann.

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