Schenken wir uns doch die Ausbildung ganz

Erinnert sich jemand an diesen Werbespot einer Bank, in dem sich die schlechteste aller Lösungen am Ende durchsetzte, weil sie die einfachste schien? Fähnchen sollten die Bank retten. Das System kennen wir, da brauchen wir gar nicht auf die anderen Branchen schauen: Erst kübelt die Familienministerin Schröder in die Öffentlichkeit, mehr Männer – bevorzugt aus bildungsfernen Schichten – für die Pflegeberufe gewinnen zu wollen. Da denkt man als Pflegender schon mal drüber nach, alles hinzuschmeißen – wenn das jeder kann, dann soll es doch ein anderer machen. Nach einer angemessenen Zeit der ehrlichen Empörung kommt dann doch die alte Überzeugung wieder hoch, dass den  Kopf in den Sand zu stecken auch nicht das Wahre ist und überhaupt ist das bestimmt die Meinung einer Einzelnen. Denkste: kaum beruhigen sich die ersten Gemüter, haut der nächste schon wieder eine Premium-Idee aus seinem warmen und gemütlichen Politikerbüro. Der Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern denkt sich das nämlich so: wenn die Parteikollegin die bildungsfernen Schichten für die Pflege gewinnen will, dann kann man sich das mit der Ausbildung doch auch gleich ganz schenken und quasi per „Learning by Doing“ den Status der Pflegefachkraft erreichen. Wieder jemand, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat? Von wegen, ausgerechnet ein Krankenpfleger steckt hinter dieser Innovation. Jetzt wird mir aber dann doch langsam Angst und Bange. (Zi)

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Kolumne, News, Presse und getaggt als , , . Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

7 Kommentare zu Schenken wir uns doch die Ausbildung ganz

  1. Silvia Dieckmann sagt:

    Wir haben in Deutschland 1.157000 professionell Pflegende , (794000 Gesundheits- und Krankenpfleger/Innen, 363000 Altenpfleger/Innen Quelle: destatis – die aktuellsten Zahlen stammen aus 2008) die Tag für Tag in Gesundheitsversorgung und Pflege hoch motiviert und engagiert arbeiten. Und das unter Rahmenbedingungen, die schon seit Langem nichts mehr mit Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Gesundheitsversorgung zu tun haben. Weder für den Kranken / Alten noch für den Pflegenden.

    „Deutschland braucht leistungsfähige Krankenhäuser für eine hochwertige, innovative, flächendeckende und wohnortnahe Patientenversorgung. Dafür wollen wir die Grundlagen sichern und dazu beitragen, dass die Arbeit im Krankenhaus attraktiv bleibt.“

    Dieses Ziel aus dem aktuellen Koalitionsvertrag muss allen in der Pflege Tätigen wie blanker Hohn erscheinen. Es klingt wie eine Utopie aus einer anderen Zeit. Die Realität im deutschen Gesundheitswesen sieht anders aus: Zeitdruck, Rationierung und Überlastung bestimmen den Arbeitsalltag von Pflegekräften. Attraktive Arbeitsplätze sehen anders aus!

    Dass diese Situation nun noch durch Ihre (unbedachten?) Äußerungen und Ideen weiter auf die Spitze getrieben werden soll, ist für uns Pflegende nicht zu verstehen!

    Ihre Vorschläge scheinen noch immer geprägt vom Bild der Pflegekraft mit überwiegend weiblichen Tugenden, wie Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Mütterlichkeit und Aufopferung, sowie einer altruistischen Motivation bei der Berufswahl, wie sie sicherlich in den Anfängen der Pflegeberufe durchaus üblich war. Doch Pflege als Beruf ist mehr, ist anders und hat sich zu einem hochkomplexen und hochqualifizierten Beruf innerhalb des Gesundheitswesens entwickelt! Begriffe wie Wissen, Kompetenz und Professionalität scheinen Fremdworte, wenn Politik von Pflege / Pflegekräften spricht. Zu deutlich wird dadurch die mangelnde WERT-schätzung, die uns als Pflegefachkräften von Politik und Gesellschaft entgegengebracht wird.Es spiegelt die Unwissenheit über einen Beruf wider, in dem Sozial-, Kommunikativ- und Methodenkompetenzen unabdingbar sind. Der Beruf erfordert darüber hinaus ein fundamentales Wissen in Bereichen wie Physiologie, Psychologie, Medizin und Pharmazeutik.
    Das lässt sich nicht in Crash-Kursen vermitteln, sondern nur über eine gründliche Ausbildung, für die ein Mindestmaß (mittlere Reife) an schulischer Vorbildung erforderlich ist.
    Zitat der Bundeskanzlerin Fr. Dr. Merkel: „Die in den Gesundheits- und Pflegeberufen Tätigen leisten einen wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen. Sie verdienen unseren Respekt und Anerkennung.“
    Sie tragen mit Ihren Äußerungen leider zum Gegenteil bei.
    Mit Ihren Äußerungen machen Sie Unwissenheit und mangelnde Anerkennung deutlich, gegenüber einer Berufsgruppe, die einen unermesslichen Beitrag zum Wohl des Gemeinwesens und für den sozialen Frieden in Deutschland beiträgt. Noch!
    Wie lange diese Berufsgruppe das unter den aktuellen Bedingungen noch leisten kann / wird, werden wir wohl alle erfahren.
    Wir alle werden alt und älter. Und spätestens dann werden wir sehen, ob es ausreicht, einfach gepflegt zu werden. Und ob jeder pflegen kann.

  2. Pingback: Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

  3. Michael sagt:

    du schreibst: „ausgerechnet ein Krankenpfleger steckt hinter dieser Innovation…“

    Dazu mein Kommentar: Pflegepersonal war schon immer doof genug, sich selbst ein Bein zu stellen. Und wenn sie aufsteigen, wird’s leider ganz gefährlich…

    (ich darf das sagen – ich gehörte selbst dazu)

    admin: harte Worte, zumal wir nun gerade die Angehörigen der Berufsgruppe sind, die sich gegen solche Entwicklungen stemmen. Aber wir geben dir recht – davon gibt es wohl nicht genug.

  4. Pingback: Herr Pfleger

  5. Michael sagt:

    @admin:
    So hart sind die Worte nicht, sie sind allenfalls prägnant.

    Ich habe vor über 30 Jahren in diesem Beruf angefangen (und bin irgendwann ausgestiegen) – schon vor 30 Jahren haben wir vom Pflegenotstand gewusst. Was ist seither passiert? Bei allem Engagement einiger Weniger (auch dem DBfK) nichts. Es ist wie eine Sysiphos-Arbeit, nur rollte der Fels den man zu bewegen versuchte beständig ein Stückchen nach unten – alles andere wäre Augenwischerei.

    Heute haben wir eine Arbeitsverdichtung, die absolut keinerlei Spielräume zulässt, von wie auch immer gearteten Erholungsphasen ganz zu schweigen. Und das in diesem belastenden Beruf.

    heute haben wir Gehälter, von denen eine Familie nicht leben kann. Ich kenne Fachkrankenpflegekräfte, die bekommen (bei einem wegen seiner schwarzen Zahlen sehr angesehen Klinikbetreiber) gerade mal knapp € 10,00 pro Stunde. Brutto versteht sich.

    Im Fachkrankenpflegebereich droht das bereits kurzfristig zum Desaster zu werden. Man zahlt Löhne unter Tarif und wundert sich, dass keiner mehr kommen will. Und kapiert es nicht. Argumentiert wird mit der Wettbewerbssituation – aber wie will ich den eigentlich den Wettbewerb gewinnen, wenn ich keinen mehr habe, den ich auf die Rennbahn schicken kann…?

    Im Grundpflegebereich mag es noch etwas besser aussehen – aber hier bekommen wir mittel- bis langfristig angesichts der demografischen Entwicklung unausweichlich eine Katastrophe.

    Hat sich irgendwas Qualitatives an den Curricula der Ausbildung geändert? Man entblödet sich nicht, den Bewerbern Bewerber-Assesments abzuverlangen, bei denen sie Flugzeuge zusammen basteln müssen um ihre Teamfähigkeit zu beweisen. Und nachher folgt eine Ausbildung, die höchstes Anspruchsniveau als Banner vor sich her trägt, aber für die Bezahlung gescheiter Dozenten ist kein Geld da.

    Wo ist den die Verlagerung der Ausbildung in ihrer ganzen Breite mindestens FH-Niveau geblieben? Stecken geblieben. Noch nicht einmal verbindliche und verifizierbare Curricula gibt es.

    Hat sich die Verweildauer im Beruf nach Ausbildung deutlich geändert? Nein. Noch immer tut sich nichts, um die Leute in irgendeiner Weise zu halten. Vielleicht ist denen, die geblieben sind, ein wenig der Blick verstellt. Wenn sie überhaupt noch die Zeit zum Aufblicken haben.

    Am Ende geht eine ganze Berufsgruppe dem Burn-out entgegen und das Engagement ausserhalb der reinen Pflege am Patienten beschränkt sich oft genug in Mobbing (oder wie man diesen Begriff auch immer ummänteln will). Neben den Lehrern dürfte die Krankenpflege hier die unrühmlichste Show abliefern.

    Vor 30 Jahren hatten wir nicht diesem medizinischen Fortschritt, den wir heute haben. Wir kannten kein Qualitätsmanagement, keine Standards (obwohl: Juchli!), die Gehälter waren schon damals beschissen. Aber die Patientenversorgung ist schlechter gewesen. Vor 30 Jahren hatten wir mit Sicherheit einen besseren Stellenschlüssel und auch der war schon nicht üppig. Heute haben wir durch alle möglichen Mist, der die Misere allenfalls zudeckt und durch eine unglaubliche Patientenfluktuation weit höhere Anforderungen – aber weniger Leute um das zu stemmen.

    Wer heute noch diesen (eigentlich wunderschönen) Beruf ergreift, sollte sich auf die Stirne tätowieren lassen: „Ich bin doof“. Das mögen harte Worte sein, aber sie sind prägnant.

    Eine wirkliche Lösung weiss ich auch nicht. Und damit stehe ich in einer Reihe mit den Meisten meiner (ehemaligen) Berufskollegen. Augen zu und durch kann es aber auch nicht sein und da weit und breit kein wirklich solidarisierungsfähiges und allein durch Masse kampffähiges berufspolitisches Engagement findet, bleibt dem Einzelnen wohl nur, irgendwann schreiend weg zu laufen. Oder sehenden Auges dem Burn-out entgegen zu dämmern

  6. Cristian sagt:

    Hallo Michael
    Unterschreibe ich (fast) alles was Du hier anmerkst. Bin seit 1973 in der Pflege tätig, nicht ausgestiegen, und leite als PDler eine Klinik. Bis dato wurden/werden wir durch ANDER fremdbestimmt und fremd gelenkt. Warum eigentlich?

    Ich habe in meinen nunmehr 40 Berufsjahren noch nie erlebt, dass sich z.B. die Berufsgruppe der Ärzte je fremdbestimmen oder gar lenken ließ. Wer das auch immer versuchte, dem blies ein eisiger Wind entgegen. Doch gerade diese Berufsgruppe hat kein Problem damit, uns die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen zu lenken für uns zu bestestimmen uns zu vermitteln was uns gut tut was für uns das beste (in ihrem Sinne natürlich) ist.

    Eine Lösung weiss Du nicht!

    Ich bin der Meinung dass es an der hohen Zeit ist, dass sich Pflege endlich in Gänze zusammenschließt zu einem Verband sprich einer eigenen Pflegekammer. Sicher hat auch diese ihre Nachteile aber für mich überwiegen die Vorteile, die ich sicherlich hier nicht alle aufzählen muß.

    Herr Minister Söder (CSU) macht gerade diesen Schritt, welchen ich nur unterstützen kann.
    Schon oft kam der Vorschlag aus der Politik (aller Parteien) der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen eine eigene Kammer einzurichten. Der Vorschlag kam aber immer nur aus der Position in der Opposition. Kaum war man in der sogenanten Regierungsverantwortung ging alles plötzlich nicht mehr.

    Jezt, und das ist ein Novum, kommt dieser Vorschlag aus einen Regierungslager einem Minister höchst persönlich.
    Ich denke, obwohl einige unbelehrbare KollegInnen bestimmt mit nicht nachvollziebaren Argumenten dagegen schießen werden, dass Herr Söder den richtigen Weg eingeschlagen hat.

    Pflege muss sich endlich selbst bestimmen. Es muß aufhören, dass ANDERE über uns bestimmen dass ANDERE uns lenken. Wir wollen, auch wenn der eine oder andere Fehler gemacht wird, uns selbst definieren unsere eigenen Fehler und Richtigkeiten machen. Das gab es noch nie. Und warum?; weil es eben genügend DOOFE KollegInnen gab und immer noch gibt welche wohl NIE die Zeichen der Zeit erkennen werden oder erkennen wollen. Darum lasst es uns, die nicht DOOFEN, endlich tun. Dazu benötigen wir jede nur erdenkliche Unterstützung.

    Ich für mein Teil werde Herrn Söder, wo immer ich kann, in seinem richtigen Vorhaben unbedingt unterstützen.

    Vielleicht kannst Du dies als ein Lösungsweg akzeptieren.

  7. Cristian sagt:

    Einsuper Vorschlag des Herr Glawe von der CDU-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern.
    Dieser ist der Meinung, dass man Pflege nicht lernen braucht sondern nach einer 10jährigen Anlernzeit automatisch eine Pflegefachkraft ist, sich die Ausbildung somit erparen kann.
    Herr Glawe ist gelernter Krankenpfleger, war Stationsleiter und hat Pflege studiert. Mit dieser seiner Aussage hat er nicht nur seine ganze Existensberechtigung als Krankenpfleger sondern auch als Studierter Pflegediplomant verwirkt. ER hat sich damit selbst ins Abseits gestellt, und eine Begründung worin nun seine Professionalität als Studierter besteht ist jetzt nur schwer begründbar. Wie auch, nach solch einer Aussage. Hat er wahrscheinlich noch garnicht gemerkt.

    Herr Glawe.
    Bin ich dann Arzt, da ich seit nunmehr über 40 Jahre als Krankenpfleger viele Tätigkeiten der ärztlichen Berufsgruppe übernommen habe; weil
    ja aus Ihrer Sicht die umfängliche Praxiserfahrung nach dem Prinzip ‚learning by doing’ über den langen Zeitraum von zehn Jahren gleichwertig mit einer formalen Ausbildung ist.
    Und haben sie diesen seeeehr inovativen Vorschlag auch schon den Handwerkskammern unterbreitet. Die werden Sie dafür sicherlich zum Ehrenhandwerker ernennen.
    Ich frage mich ernsthaft warum so jemand wie Sie mit dieser Meinung eigentlich Pflege studiert hat? Wäre ja auch, ihrem Vorschlag nach, ‚learning by doing’ einfacher gewesen.
    Ich frage mich allerdings nicht warum Sie in der CDU sind.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>