Mehr Wertschätzung statt mehr Imagekampagne

Puh, das ist ja still hier geworden. Nun soll das nicht heißen, dass wir hier nichts mehr machen – wir sind nur mit so vielen anderen Sachen beschäftigt, viel Energie fließt im Moment in die Pflegekammer. Und dann ist es ja auch immer  so, dass sich im Herbst die Veranstalter überschlagen und man kaum noch zum Luft holen kommt. Wir sind also durch das Land getourt, haben informiert, ausgestellt, moderiert, verhandelt, referiert, Stellung genommen und und und… Nun wollen wir nicht jammern, so ist das eben im Jahr der Pflege und es gibt schlimmeres für eine politische Organisation, als viel zu tun zu haben.

Bei einer dieser Veranstaltungen – es ging mal wieder um das Image der Pflege und der Referent vom Berufsverband erläuterte sachlich, wo die Schwachstellen lägen – erhob sich eine Dame und meckerte den Referenten an, so ginge es aber auch nicht, man könne nicht immer nur die schlechten Seiten des Pflegeberufes darstellen und dann bräuchte er – der Referent – sich gleich mal gar nicht zu wundern, dass niemand den Pflegeberuf erlernen wolle. Die Dame – im Übrigen von einer Behörde, die für die Pflegeberufe zuständig sei und somit kompetent, genau diese Bemerkung in den Raum zu stellen – beliess es dann dabei, die Verantwortung für den Imageverlust dem Redner auf den Schultern abzuladen und hatte keine Zeit mehr für eine weitere und differenzierte Erörterung der Einflussfaktoren für die Situation der Pflege und das Erleben der Pflegenden. Sie müsse jetzt los und an einer Imagekampagne für die Pflege….

Egal – aufrappeln, den Kasack gerade ruckeln, Schwammm drüber und weitermachen. Und wir bleiben dabei – wo Mist gemacht wird, müssen wir das auch als Mist bezeichnen dürfen. Und wo mit interessanten Ansätzen darauf hingewirkt wird, dass das Ansehen der Pflege steigt und vor allem die Selbstwahrnehmung der Pflege wieder besser wird, da weisen wir auch gerne darauf hin. Zum Beispiel bei den von der Regierung geförderten Projekten, die sich um mehr Wertschätzung für die Pflegearbeit bemühen. Von fünf Projektträgern ist nun ein Memorandum veröffentlicht worden, das den Titel „Den Wert von Pflegearbeit schätzen“ trägt. Unter Anerkennung der hohen Arbeitsbelastung der Pflegenden und der Erkenntnis, dass für den überwiegenden Teil der Pflegenden ihre Berufstätigkeit eine sehr große persönliche Bedeutung hat, fordern die Projektpartner die Politik und Gesellschaft zu einer besseren Ressourcenausstatung für die Pflege auf. Zugleich müssten die Einrichtungen durch arbeitsorganisatorische Verbesserungen und anderen Instrumenten die Voraussetzungen für mehr Wertschätzungserleben schaffen. Dass die Pflegenden ihre Tätigkeit selber noch als wichtig und sinnvoll erachten, sollte eher als „Kredit“ betrachtet werden –  und nicht als unantastbares Guthaben, das nicht schwinden könnte. (Zi)

Vielen Dank an Georg Paaßen für den Hinweis.

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