Gedanken zum Jahresausklang

Dass Dequalifizierungsströmungen in der Pflege nicht neu sind, wurde mir bewusst, als mir heute beim Aufräumen das Werk „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Krankenpflege in Deutschland“ aus dem Jahre 1924 in die Hände fiel. Auf Seite 21 ist unter der Überschirft „Die soziale Herkunft der Krankenpflegepersonen“ zu lesen: „Es ist eigentümlich, dass das gebildete Frauenelement im allgemeinen nur spärlich zur Krankenpflege übergegangen ist. (…) Leider melden sich heute viele gescheiterte Existenzen, die am allerwenigsten für die Krankenpflege geeignet sind, denn es ist eine alte Erfahrung, dass das Nervensystem solcher Personen mehr oder minder mangelhaft ist. „ Und wie die Politik heute immer wieder Programme auflegt, um schwer vermittelbare Arbeitssuchende in der Pflege, vornehmelich in der Altenpflege, unterzubringen, so gab es ähliche Ambitionen offenbar schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Georg Streiter, der Verfasser des soeben zitierten Werkes, führt aus: „In der Zeitschift Das Sanatorium (1907, Nr. 20) fand sich folgende, bisher noch nicht übertroffene Anzeige: Für einen Heilgehilfen suchen wir Stellung in einem Krankenhause oder anderswo. Derselbe ist 27 Jahre alt, evangelisch, ledig, dreimal mit Gefängnis vorbestraft und verbüßt jetzt drei jahre Zuchthaus wegen Diebstahl, Betrug, Unterschlagung und Urkundenfälschung. Entlassung aus der Strafhaft den 17. Juni. Führung gut. Er hat sich sehr zu seinem Vorteil verändert.“

Hoffen wir, dass uns die demografische Entwicklung nicht dazu führt, dass diese Anzeige eines Tages übertroffen wird!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen geschmeidigen Rutsch aus dem Jahr dern Pflege! (Dru)

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