Nicht schon wieder: Greencard gegen den Pflegenotstand

Fast kann man ja die Uhr danach stellen, dass einmal im Jahr Vertreter des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) die Wundertüte öffnen und Vorschläge machen, wie denn dieses Mal der Fachkräftemangel in der Pflege zu decken sei. Nachdem im letzten Jahr die benötigten Pflegenden pauschal aus Osteuropa kommen sollten (Wir erinnern uns – die AG Junge Pflege im DBfK forderte damals als Konsequenz Dänisch-Kurse in der Pflegeausbildung), wird man 2012 schon etwas spezifischer: Serbien, Korea und die Philippinen sind jetzt also die Länder, aus denen der Pflege-Zug in Richtung Deutschland losfahren soll.

Es hat schon ein bisschen was von weißer Flagge, mit der der bpa da wedelt. Immerhin: Konsequenz kann man ihnen dabei nicht absprechen. Leider ist das mit dem mantrahaften Fordern halt immer so eine Sache: Man muss auch die Hausaufgaben machen. Immer nur „Greencard“ zu rufen, wenn der Fachkraftmangel auf den Tisch kommt, erinnert ein bisschen an den Glauben an Wunderheiler. Wer qualifiziertes Pflegepersonal in ausreichender Menge haben will, muss sowohl Ausbildung als auch Rahmenbedingungen im eigenen Land attraktiver machen.

Daneben ist es schon sehr naiv zu glauben, dass die Pflege in Deutschland so ein attraktives Berufsziel für koreanische und philippinische Pflegende ist. In der Realität hat Deutschland gegenüber anderen Ländern wie Großbritannien und den USA doch ein riesiges Attraktivitätsdefizit. Und neben den aktuellen Arbeitsbedingungen dürfte es Pflegenden aus diesen Ländern deutlich näher liegen, in ein englischsprachiges Land zu wechseln, in dem eine Pflegekammer die berufliche Anerkennung klar und eindeutig regelt.

Mal abgesehen davon: Dass es auch in anderen Ländern so etwas wie einen demographischen Wandel gibt und die Pflegenden dort selbst gebraucht werden, sollte auch am bpa nicht spurlos vorbeigezogen sein. Die Konsequenzen lassen sich beispielsweise hier gut nachlesen. Substanzverlust stumpf zu ignorieren, um im eigenen Land selbstverschuldete Löcher zu stopfen, gemahnt ein wenig an Kolonialismus.

Wer den Fachkraftmangel in Deutschland nachhaltig beheben will, der kommt gar nicht umhin, in die Attraktivität der Pflegeausbildung in Deutschland zu investieren und für Rahmenbedingungen zu sorgen, die den Beruf wünschenswert machen. Karrierechancen gibt es genug, von Studiengängen über Fort- und Weiterbildungen bis hin zu einer gesicherten beruflichen Zukunft im Allgemeinen. Ob solche Änderungen natürlich im Sinne der bpa-Mitglieder sind, ist eine andere Frage. Im Sinne der Pflege sind sie das allemal. Und für die setzen sich der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die AG Junge Pflege im DBfK ein. (Roe/Dich)

Ein Kommentar der AG Junge Pflege im DBfK – vielen Dank dafür.
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