Wendehälse

Erst hü – dann hott? Wir waren zugegebenermaßen schon ein wenig überrascht, dass sich nun ausgerechnet die CDU in Mecklenburg-Vorpommern in einer rot-schwarzen Koalition  als Befürworter einer Pflegekammer zeigte. Das wärte aber nicht lange – also, die Befürwortung. Unsere Überraschung schon, den erstaunlich ist die 180°-Wendung der Christ-Demokraten und vor allem die Begründung dafür: die Proteste aus der Branche hätten einen Reflektionsprozess ausgelöst, an dessen Ende man dann doch lieber den Antrag wieder zurück genommen hat.

Wie bitte? Aus der Branche? Die Arbeitgeber haben protestiert – mitnichten die Branche. Dass die Arbeitgeber kein Interesse an einer pflegerischen Selbstverwaltung haben, ist bekannt. Dass die Politik ihre Entscheidungen aufgrund der Interessen Einzelner trifft, auch. Das nennt sich dann Lobbyismus und ist wie die Pest unserer Zeit. Dabei geht es nicht darum, was richtig und gut für alle ist – es geht darum, was am wenigsten Widerstand provoziert.

Das wiederum ist in der Branche eine verlässliche Größe: von den Pflegenden kommt wenig Widerstand, meist ist er nicht organisiert und verpufft in der Initiative einzelner, die dann bei kleiner Flamme ausbrennen.

Man muss kein Freund der Pflegekammer sein – man kann es auch als Demokrat zum k***** finden, dass hierzulande eine vergleichsweise kleine Interessengruppe den Volksvertretern den Weg vorzeichnet, den alle anderen zu gehen haben. Und wenn in diesem Zusammenhang dann auch noch die Machtpotenziale im Gesundheitswesen zwar erkannt werden, die Pflegenden aber doch wieder an den Katzentisch müssen –  dann wünscht man  sich, dass Politik ihre Aufgabe ernster nehmen würde. Was um alles in der Welt hat die CDU in Mecklenburg bloss geritten, in dieser Frage die Pflegenden komplett auszuklammern – nachdem die Partei der Berufsgruppe den Mund wässrig gemacht hat?

Mehr Demütigung geht kaum noch…

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kommentar. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

6 Kommentare zu Wendehälse

  1. Anja Kistler sagt:

    Spricht mir aus meinem beruflichen Herzen!!!

  2. Martin Schmitt sagt:

    Ich als Arbeitgerber eines ambulanten Pflegedienstest befürworte die Pflegekammen und ebenfalls die BAG Pflegeunternehmer im Dbfk stehen dahinter. Wer vermutlicht gegen die Verkammerung ist sind einzelnen Vertreter der Pflegeverbände die Angt um Machtverlust haben.

  3. Margarete Reinhart sagt:

    Tja, die Politik der Parteien geht normalerweise so:
    Sind wir in der Opposition – sind wir für die Pflegekammer.
    Sind wir an der Macht – sind wir gegen die Pflegekammer.
    Steht der Wahlkampf in’s Haus – sind wir für die Pflegekammer.
    Ist dieWahl vorbei – sind wir gegen die Pflegekammer.

    Insoweit war es wahrscheinlich sowieso nur eine irrtümliche Äußerung von der CDU in MeckPom?

  4. Friedrich Eydam sagt:

    Ja es ist schon wirklich ein Trauerspiel, wie die Angehörigen der Pflegeberufe seit Jahren durch Politiker aller Parteien verschaukelt werden. Das Hü und Hot der CDU-Mecklenburg-Vorpommern ist da nur ein weiter Belege für die Unwilligkeit deutscher Politik, die Pflegeberufe endlich als gleichberechtigte Partner im Gesundheitswesen anzuerkennen. Und das ein Protest der Arbeitgeber ausschlaggebend für den Rückzug der CDU-Fraktion im Landtag ist, beweist einmal mehr wie sehr Lobbyarbeit die Politik auch auf der Landesebene steuert. Andererseits gilt aber auch: Solange es uns nicht gelingt, mehr Pflegende von der Richtig- und Wichtigkeit einer Pflegekammer zu überzeugen und auch auf Landesebene alle Initiativen pro Pflegekammer zu bündeln, wird es schwierig bleiben in der Politik ernsthaftes Interesse an dem Thema zu wecken.

  5. Kammer hin,, Kammer her. Gibt es überhaupt konkrete Konzepte wie eine Pflegekammer aufgebaut sein und funktionieren sollte? Ich habe in diesem Sinne noch nichts konkretes gefunden. Kann mir da wer weiterhelfen?

  6. DBfK Nordwest sagt:

    Informationen zur Pflegekammer gibt es auf http://www.pflegekammer-jetzt.de. Orientieren kann man sich auch an der Struktur bestehender Heilberufekammern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.