Sehr geehrter Herr Plasberg,

Sie fragten in Ihrer Sendung Hart aber Fair vom 14.04.2014, ob mehr Geld die Pflege besser mache. Einleitend untermauern Sie die Frage mit dem Hinweis, dass die Regierung die Pflege besser finanzieren wolle – wir alle das mit höheren Beiträgen zur Pflegeversicherung tragen sollen und schieben die Fragen hinterher, ob mehr Geld den pflegenden Angehörigen helfe und die Heime menschlicher mache.

Das sind sicher wichtige und richtige Fragen – deren Beantwortung Sie in der Sendung aber schuldig bleiben. Mir ist klar, dass Talkshows ihre eigene Dynamik haben. Mir ist allerdings – hinsichtlich der Ausgangsfrage – die Auswahl der Talkgäste nicht ganz klar. Welchen Erkenntnisgewinn haben Sie von der Beteiligung von Frau Nordmann, Herrn Müller-Gerbes und Frau Rosenberg erwartet? Deren Beitrag und Leistung auch hinsichtlich ihres sozialen und beruflichen Engagements in allen Ehren – aber was war die Erwartungshaltung hinter deren Beteiligung?

Ich habe ja eine Vermutung: Pflege hat in der öffentlichen Wahrnehmung etwas mit alten Menschen zu tun (Frau Nordmann, KDA), belastet vor allem die Angehörigen (Frau Rosenberg) und am Ende stirbt man hoffentlich nicht alleine (Herr Müller-Gerbes).

Pflege betrifft den alten Menschen
Weit gefehlt – Pflege geht zunächst jeden an und findet unabhängig vom Alter statt. Pflege ist ein eigenständiger und notwendiger Bereich im Gesundheits- und Sozialwesen, der unter Anerkennung pflegewissenschaftlicher, medizinischer und anderer Erkenntnisse verantwortlich bei der Verhütung, Erkennung und Heilung von Krankheiten mitwirkt. Und Pflege ist die Disziplin, die unter Einbeziehung präventiver, rehabilitativer und palliativer Maßnahmen auf die Wiedererlangung, Verbesserung, Erhaltung und Förderung der physischen und psychischen Gesundheit der zu pflegenden Menschen ausgerichtet ist und so nah an den Betroffenen ist wie keine andere Profession im Gesundheitswesen. Es ist also zunächst absurd, Pflege auf ihre Anwendung im Wirkungsfeld des Sozialgesetzbuches XI zu reduzieren. Das lässt sich noch verdeutlichen, wenn der Blick auch auf den Versorgungssektor gerichtet wird, der in der Sendung ausgeblendet wurde: der Pflege im Krankenhaus geht es hinsichtlich der Arbeitsbelastung im Augenblick sehr schlecht und internationale Studien bestätigen, dass unter dieser Situation vor allem die Patienten leiden – und zwar mit ihrer Gesundheit.

Pflege belastet vor allem die Angehörigen
Es ist ohne Zweifel tragisch, was sich mitunter in Familien abspielt, die den Verfall eines nahen Menschen unmittelbar im häuslichen Umfeld begleiten und verfolgen, dafür z.B. eine berufliche Entwicklung verpassen, Freunde verlieren, Beziehungsstörungen riskieren. Aber um das einmal klar zu stellen (und die Angehörigenvertreter mögen mir das verzeihen, aber ich sage das aus dem Blickwinkel der beruflichen Pflege): das ist keine Pflege, wie wir das verstehen. Allenfalls ist es ein „Kümmern“. Das ist nicht weniger wichtig oder weniger belastend, aber es ist halt keine Pflege. So gesehen ist es einfach auch absurd, vom größten Pflegedienst der Nation zu sprechen. Einen von Demenz betroffenen Familienangehörigen 24 Stunden am Tag um sich zu haben, ist kein Zuckerschlecken. Es ist aber auch kein Zuckerschlecken, als Pflegefachperson allein im Nachtdienst die Verantwortung für 40 von Demenz betroffene Bewohner zu tragen. Und schon gar nicht, wenn man weiß, was alles möglich wäre, wenn denn nur genug Personal vor Ort sei. Dass wir nicht genug Pflegefachpersonen haben (in allen Versorgungsbereichen) geht auch darauf zurück, dass Politik und Arbeitgeber davon ausgegangen sind, dass sich schon genug Leute für den Pflegeberuf finden würden und es eigentlich egal sei, wie man mit diesen umgehe. Diese Behauptung belege ich mit den Gehaltsstrukturen der beruflichen Pflege, den zur Verfügung gestellten Ressourcen, dem Überstundenanfall, den Zugangsvoraussetzungen – mittlerweile sind wir dann soweit, dass sich eben immer weniger junge Menschen für den Pflegeberuf interessieren. Der zur Sendung eingeladene Arbeitgebervertreter Bernd Meurer war an dieser Stelle von bestechender Ehrlichkeit, als er äußerte, es sei ihm eigentlich egal, wie viel sein Pflegepersonal verdienen würde.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ohne die Versorgung durch Angehörige können wir einpacken und das Licht ausmachen. Aber tun Sie uns bitte alle einen Gefallen und vermengen Sie die unterschiedlichen Probleme nicht miteinander. Wir haben in der beruflichen Pflege erhebliche Probleme, wir wollen darüber reden und wir wollen, dass Sie uns zuhören. Denn wir machen einen schweren Job für Sie. Dafür dürfen wir doch wohl erwarten, auch ernst genommen zu werden.

Hoffentlich stirbt man nicht allein
Und wir fühlen uns nicht ernst genommen, wenn wir immer und immer wieder auf die Zuwendung, Wärme und Nähe reduziert werden.
Nicht, weil wir das nicht erbringen wollen – soziale Kompetenz, Empathie, Fähigkeit zur Fürsorge sind wichtige Aspekte beruflicher Pflege. Es sind aber nicht die einzigen Fähigkeiten, die notwendig sind und das wollen Sie auch gar nicht. Sie wollen eine vernünftige und gute pflegerische Versorgung, die über Händchen halten hinaus geht. Was nutzt Ihnen denn die Zuwendung, wenn Sie ein vermeidbares Druckgeschwür erleiden? In diesem Zusammenhang: Sie sprachen von Spitzenzeiten in der Pflege und dass doch dazwischen Zeit für Zuwendung sei. Pflege ist eine 24h-Aufgabe, da gibt es keine „Spitzenzeiten“ – wenn ein Mensch einen Pflegebedarf hat, dann hat er ihn rund um die Uhr. Da kann auch eine Abrechnung der Pflege im Mintutentakt nicht drüber hinwegtäuschen. Die Zuwendung gibt es während der Pflegehandlung – und zwar, wenn genug Personal vor Ort ist, um mit der angemessenen Ruhe und Aufmerksamkeit die jeweilige Pflegeleistung erbringen zu können. Anzunehmen, dass wir mit zu wenig Personal eine Premiumversorgung plus Zuwendung erbringen könnten, setzt eine gewisse Erwartung an unsere Opferbereitschaft voraus. Wir gehen oft genug dafür an unsere Grenzen – aber erwarten Sie bitte nicht, dass wir das noch lange durchhalten.

Merken Sie eigentlich, was Sie uns auf die Schultern laden, wenn Sie unsere Opferbereitschaft bewundern? Wir sind doch keine Märtyrer, die für das Wohl der anderen auf dem Scheiterhaufen bereitwillig brennen. Wir üben einen Beruf aus – wir wollen unsere Familien ernähren, Kredite abbezahlen, in den Urlaub fahren, uns weiterbilden, Sport machen, vernünftiges Essen bezahlen können. Wir sind ganz normale Menschen. Natürlich begleiten wir Menschen in schwierigen Lebensphasen (im Übrigen auch Angehörige), aber das machen andere therapeutische Berufe auch – nur dass die keine Engelsflügel umgehängt bekommen. Das Engelsgleichnis und dessen Analogien sind ein Kennzeichen Ihrer mangelnden Wertschätzung für den Pflegeberuf und seine Leistungen.

Wenn Sie dann einem ausgefuchsten Medienprofi wie Meurer eine junge Altenpflegerin gegenüber stellen, die am Anfang ihrer Berufslaufbahn steht, dann wird’s mir ganz schwindlig. Ihre joviale Fragetechnik tut ihr übriges: am Ende wollten Sie ja auch nichts anderes hören, als dass die junge Frau vor allem für die Zuneigung ihrer Alten und den freien Zugang zu einem Massagesessel arbeitet. So gesehen hat sich die junge Kollegin als Quotenpflegende von Ihnen vorführen lassen. Ich will Ihnen nicht nachtragen, dass Sie nicht bei uns gefragt haben, aber ich erkenne den Reflex Ihrer Redaktion: lass uns mal noch eine Pflegende dazu nehmen, aus dem Altenheim, sollte unbedingt noch am Bett arbeiten – das ist so authentisch. Glauben Sie mir – das Gegenteil ist der Fall.

Die erschütternde Erkenntnis des Abends ist es dann auch, dass wir immer die Politik auffordern, die Probleme in der Pflege zu richten – und in einem Teil der Medien ein Bild von Pflege transportiert wird, das den eingeschlagenen Weg weiter ebnet. Dass es auch anders geht, hat ZEIT-Redakteur Burkhard Strassman kürzlich aufgezeigt, als er in einem differenziertem Beitrag die Not der Pflegenden in Deutschland auch für Laien verständlich nachzeichnete (nachzulesen in der Ausgabe 12/2014 unter dem Titel „Schluss mit Schwester“).

Ach so – Hermann Gröhe? War gut; mal sehen wie es so weitergeht.

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15 Kommentare zu Sehr geehrter Herr Plasberg,

  1. susanne petri sagt:

    Vielen Dank, dass Sie mein ungutes Gefühl während der Sendung in Worte gefasst haben. Ich bin examinierte Krankenschwester mit einem abgeschlossenen Studium als Lehrerin für Krankenpflege und mit Berufserfahrung in beiden Bereichen. Auch ich bin als junge Mutter in die Situation gekommen, eine nahe Angehörige über Jahre hinaus zu pflegen und mein Mann und meine drei Kinder sind dadurch zu kurz gekommen. Meinen Beruf, der für mich immer noch ein Traumberuf ist, konnte ich durch den Pflegebedarf meiner alzheimerkranken Mutter über 15 Jahre und die Begleitung meines krebskranken Vaters nicht mehr ausüben. Darüber bin ich zu kurz gekommen, aber mein Schicksal und meine freie Entscheidung, mich zu kümmern. Was mich immer noch fassungslosmacht ist, dass es auch mir als Pflegeprofi schwer gemacht wurde, die notwendigen Dinge für meine Eltern zu erreichen, zu beantragen, zu organisieren. Wie wenig ernst wurde ich als Tochter genommen, die (in Einklang mit der Patientenverfügung) darauf bestanden hat, dass meine Mutter als Schwerstpflegefall nicht noch eine PEG gelegt werden sollte. Welcher Hohn, wenn ich bei meiner vorraussichtlichen Rentenberechnung feststelle, dass ich für ein Jahr Pflege unter 20€ Rente bekommen werde. Was soll dieser kleine Betrag denn ausgleichen?
    Ich bin traurig, dass Herr Plasberg keine einzige Krankenschwester in der Runde hatte. Die junge Altenpflegerin, sichtlich stolz auf ihr Examen und anscheinend mit der Berechtigung Praxisanleitungen durchzuführen – das ist etwas anderes als auszubilden – kam bei mir sehr naiv rüber, lies sich vom Moderator lenken. Ich glaube nicht, dass das Absicht war, aber es hat für mich dazu geführt, dass die Pflegenden mal wieder als ein bißchen dumme, unheimlich liebe, sozial engagierte Menschen da stehen. Man braucht sie, aber selber ist man doch nicht so blöd, solch eine Arbeit zu machen.
    Pflege braucht kluge, gut ausgebildete Menschen, die sich ihre Rechte erkämpfen und dafür notfalls auch die Sorge für den Patienten hintanstellen, d.h. sich nicht damit erpressen lassen, das man doch die Patienten nicht im Stich lassen darf.
    Ich selbst werde unter den heutigen Bedingungen nicht mehr in Pflege und Ausbildung arbeiten. Zu viel Stress, zu wenig Anerkennung, zuschlechte Arbeitsbedingungen, zu niedrige Bezahlung! Meine Zeit, meine Erfahrung, mein Können stelle ich jetzt ehrenamtlich in der Hospizarbeit zur Verfügung.

  2. Im Forum von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk wird auf den Brieftext von DBfK-Nordwest verwiesen: > http://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?f=7&t=20367&p=79741#p79741
    Mit dem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe werden wir die Pflegereform und den Pflegenotstand beim Pflegetreff am 13.05.2014 vertiefend erörtern: > http://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?f=7&t=19125 .- Die jetzigen Reformerwägungen werden die unzureichenden Pflege-Rahmenbedingungen nicht entscheidend verbessern! – W.S.

  3. Björn Menna sagt:

    Hallo Kollegen und Interessierte,
    mich treiben bei dem Thema noch ganz andere Dinge um als mein Job als Pfleger.
    Ich Stelle mir die Frage ob in dieser Gesellschaft eigentlich noch Jemand Gefahren und Gefährdungen Prioritäten geben kann. Es werden Milliarden Euro für Klimaschutz, Energiewende, Schutz vor Feinstaub …. (Liste beliebig verlängern)
    ausgegeben. Die Konsequenzen dieser Dinge liegen teilweise bis zu 100 Jahren in der Zukunft und sind kaum absehbar, sowohl im Positiven wie auch im Negativen. Unsere Gesellschaft ist aber bereit um mögliche Gefahren abzuwehren hunterte von Milliarden Euro in die Hand zu nehmen. So weit so löblich.
    Jetzt kommt er Punkt der mich wütend macht. Ich bezahle also ohne Murren 200€ mehr für den Strom, kaufe mir Energiesparlamben die 8 mal so Teuer sind wie meine Glühlampen, verkaufe mein altes Auto um ein neues sauberes zu kaufen, aber ich bin nicht bereit mehr für Pflege zu zahlen. In unserem Bereich, da brauchen wir uns nichts vormachen, sterben Menschen oder leiden mehr als nötig weil wir Unterbestzt sind.
    Es wird dann immer angeführt wir brauchen ja nur mehr Leute in der Pflege und schwupps passt es und die Pflegekräfte wollen ja auch gar nicht mehr Geld sondern nur mehr Kollegen.
    Leute wacht auf!
    Wenn die Entlohnung so bleibt wie sie ist kommt keiner!
    Wenn wir wie bei Hr. Plasberg nur als kleine hilfreiche Geister gesehen werden, kommt auch keiner.
    So lange ist es wichtiger einen Bahnhof zu bauen oder zu verhindern, oder sich um Windräder zu zanken oder oder oder…
    So lange werden aber auch Kollegen von uns ausbrennen, erkranken, aufgeben es werden weiter Menschen sterben oder leiden weil wir nur 2 Arme haben.
    Unsere Probleme können jetzt gelöst werden.

  4. Es ist bedauerlich, dass gerade unsere „öffentlich rechtlichen“ Fernsehsender sich wie die Bezahlsender in Allgemeinplätzen ergehen. Pflege hat mehr verdient. Das Sozialgesetzbuch XI (SGB XI) beinhaltet eine Paragraphen (§ 28), der sowohl die Würde des Pflegebedürftigen als auch die Würde des Pflegenden schützen soll. Doch wird gerade dieser wichtige und wesentliche Paragraph von jenen mit Füßen getreten, die eigentlich für seine Anwendung sorgen sollen – der öffentlichen Hand und den Pflegekassen. Um dies deutlich zu machen hier ein paar Zahlen:
    1. Die derzeitigen Personalschlüssel decken sich in ganz Deutschland nicht mit den Vorschriften des Gesetzes. Ein Pflegebedürftiger benötigt zur Genehmigung der Pflegestufe 2 einen Mindestpflegebedarf von 120 Minuten in 24 Stunden für die Bereiche Körperpflege, Essen und Trinken, Ausscheidung und Mobilität. Die Kostenträger – die für die Pflegesätze verantwortlich zeichnen – genehmigen aber nur 112 Minuten in Baden-Württemberg, dem Bundesland mit den höchsten Personalschlüsseln. Damit wird in Pflegestufe 2 die Forderung der aktivierenden (menschenwürdigen) Pflege des SGB XI um mindestens 7 % unterschritten. Es ist also nur eine Funktionspflege möglich!
    Ein Pflegebedürftiger benötigt zur Genehmigung der Pflegestufe 3 einen Mindestpflegebedarf von 240 Minuten in 24 Stunden für die Bereiche Körperpflege, Essen und Trinken, Ausscheidung und Mobilität.. Die Kostenträger – die für die Pflegesätze verantwortlich zeichnen – genehmigen aber nur 153 Minuten in Baden-Württemberg, dem Bundesland mit den höchsten Personalschlüsseln. Damit wird in Pflegestufe 3 die Forderung der aktivierenden (menschenwürdigen) Pflege des SGB XI um mindestens 37 % unterschritten. Es ist also rein theoretisch nur eine Funktionspflege möglich! Diese Situation wird noch verschärft durch
    2. den Umstand, dass das mit diesen genehmigten Zeiten zusätzlich ohne Entgelt die Behandlungspflege erbringen muss, ein Minus von 10 %,
    3. ohne Entgelt die sozialpflegerische Betreuung zu erbringen ist, weitere 10 – 15 % sowie
    4. die umfangreichen Dokumentationspflichten, die von Jahr zu Jahr ausgeweitet werden.
    Dokumentiert nachweisbar erbringen Pflegekräfte ca. 40 % ihrer erforderlichen Tätigkeiten OHNE ENTGELT.

    Hinzu kommt, dass Pflegkräften, die nicht in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, von den verantwortlichen Kostenträgern Gehälter mit ca. 25 % Abschlag zugestanden werden.

    Dass wir heute eine Pflegepersonalmangel haben, verdanken wir der systematischen Ausbeutung der Pflegekräfte, die bisher schon am Rande ihrer Belastbarkeit gearbeitet haben, weil sie ihre soziale Verantwortung leben. Seit einiger Zeit brechen immer mehr Pflegekräfte zusammen und sind für diesen wertvollen Beruf für immer verloren. Weder Ausbildungsinitiativen noch die Rekrutierung aus dem Ausland werden diese Situation ändern, weil die Verantwortlichen bis heute nicht begriffen haben, dass die unzureichenden Personalschlüssel für diese systematische Vernichtung von Ressourcen verantwortlich ist.

    Ja, MEHR PERSONAL wäre die Lösung. Aber dazu bedarf es mehr finanzielle Mittel, selbst bei der derzeitigen weit verbreiteten Unterbezahlung der Pflegekräfte.

    Johannes Paetzold

  5. Cathrin Kulf sagt:

    Sehr geehrter Herr Plasberg,

    Der DBFK hat mir und sicher vielen anderen aus der Seele gesprochen.
    Ihre Sendung war für mich eine reine Farce. Sie wäre sicher interessanter und informativer gewesen und hätte mehr bewegt, wenn Sie mehrere langjährig erfahrene Pflegefachkräfte aus allen Bereichen dazu eingeladen hätten sowie den DBFK.
    Mit freundlichem Gruß
    C. Kulf

  6. Jeremias Cornelius sagt:

    Brillianter Kommentar! Der Engelvergleich war nur eine von vielen Passagen die mir aus dem Herzen sprachen!

  7. Elke Wenske sagt:

    als „Kümmerer gehe ich grundsätzlich konform mit den Anliegen des Fachpflegepersonals, es ist jedoch für mich unerträglich nach 12 Jahren Angehörigenpflege in Stufe 2 und 3 als „Händchen haltende Kümmerin“ betituliert zu werden !Als Fachfremde musste ich lernen eine PEG zu bedienen, ein Beatmungsgerät zu handhaben, Vernebler einzusetzen, Lageungstechniken erlernen, auf Wechselwirkungen von Medikamenten zu achten, Blutdruck manuell zu messen, Heparinspritzen zu setzen, Verbände anzulegen, Hilfsmittel zu gebrauchen und und und… Die 2 Fersendekubiti die mein Mann in seinem pflegebedürftigen Zeitraum erlitten hat , sind nicht zu Hause sondern in Institutionen entstanden.Wer hatte die wahre Arbeit damit ? ich mache dem Personal keinen Vorwurf, aber gemeinsam gegen die Mißstände anzugehen , wäre wohl wesentlich effektiver -als die pflegenden Angehörigen, die dies aus Liebe und Nähe zu den ihren tun, immer nur als lästige Anhängsel des Pflegebedürftigen zu betrachten. DAS musste jetzt auch mal gesagt werden.

    • Denn GENAU SO ist es – Behandlungspflege inclusive!!

      Denke, wir pflegenden Angehörigen arbeiten nicht gegen die professionellen Pflegekräfte, sondern, würden, wenn wir es uns
      1. leisten könnten &
      2. diese auch zu den Zeiten, WO WIR SIE WIRKLICH BRAUCHEN, da sein könnten

      liebend gerne MIT IHNEN GEMEINSAM zusammenarbeiten!

      Professionelle Pflegekräfte werden in den Familien gebraucht und auch gewünscht -Konkurrenzdenken ist völlig fehl am Platz, denn gemeinsam wäre es möglich!
      Nur haben pflegende Angehörige weder die Wahl noch die Möglichkeiten und DAS gilt es zu ändern!!

      Susanne Hallermann (Ausbilderin im Gesundheitswesen und pflegende Angehörige im ALGII – Bezug, aufgrund der Pflegeverantwortung und -leistung!)

    • Renate Ziegler sagt:

      Ich kann Ihnen und Frau Hallermann nur in vollem Umfang und aus ganzem Herzen zustimmen. Die Frage, ob wir pflegen oder uns nur kümmern, ist schon deshalb absurd, weil sich dann ja die Frage stellt, wer denn dann den Pflegebedürftigen gepflegt hat die ganze Zeit. Denn ohne Pflege würde der Kranke ja bald versterben, wie in Ihrer Schilderung wohl offensichtlich wird.
      Unterstützung und Anleitung von den Profis, besonders am Anfang und auch bei allen Neuerungen und Fragestellungen, ist sicher hilfreich und nötig, im Interesse aller Beteiligten. Kompetenzgerangel bringt nicht weiter, und letztlich liegt es im Ermessen des Kranken, von wem er gepflegt werden möchte. Und im Ermessen des Angehörien, ob er das kann oder erlernen will.

      • Elke Wenske sagt:

        DANKE,
        für Ihre ausführliche Beschreibung der Tätigkeiten!.
        undan „Altenpfleger“:
        Wenn Sie mal einen Angehörigen pflegen müssen, dann sind auch Sie nur ein Kümmerer und pflegender Angehöriger mit oder ohne Pflegegeld- je nach Versorgungsgrad.
        Da hilt ihr Beruf auch nur ihrem Pflegebedürftigem,-das scheinen sie leider vergessen zu haben.

  8. Altenpfleger sagt:

    Liebe Frau Wenske,

    nach 12 Jahren kann man durchaus davon ausgehen, dass Sie die MATERIELLE Qualifikation erworben haben, die oben genannten Tätigkeiten durchzuführen. Was Ihnen jedoch fehlt ist eine FORMELLE Qualifikation, und genau diese macht den unterschied zu einer professionellen Pflegekraft aus.

    Sie mögen sämtliche Gesetzestexte der BRD von hinten bis vorne auswendig kennen. Das macht Sie aber noch zu keinem Anwalt. Dafür müssen sie Jura studieren. Genauso wenig werden sie durch einige selbst angeeigneten Fähigkeiten zu einer Pflegefachkraft. Ich werde ja auch kein Auto wenn ich mich in eine Garage stelle.

    So einfach ist das.

    • "kümmernde" Angehörige sagt:

      „Lieber“ Altenpfleger,
      bei soviel Arroganz wird mir echt übel. Mit Ihrer FORMELLEN Qualifikation können Sie sich den A…. abwischen. Qualifiziert, sozusagen…. Es kommt ja wohl auf die reale, tatsächlich vorhandene Qualifikation an und auf die Arbeit, die man leistet.
      Und der Vergleich mit dem Auto ist einfach nur daneben.
      So kommen wir nicht weiter.

  9. Enibas Gnunroh sagt:

    Endlich eine Diskussion in die richtige Richtung. Die bisherige „Mitleidsdiskussion“ für die Pflegenden verlief eindeutig in die falsche Richtung. Pflege ist auch Intensivpflege, OpPflege, Anästhesiepflege, usw.
    Wenn ich auf einer Intensivstation nur noch Zeit dafür habe, Infusionen zu wechseln und Spritzen zu verteilen, kommen alle Aspekte zu kurz, die u.a. „unter Anerkennung pflegewissenschaftlicher, medizinischer und anderer Erkenntnisse verantwortlich bei der Verhütung, Erkennung und Heilung von Krankheiten mitwirkt“. Ich kann also nicht mein Fachwissen auf die „Wiedererlangung , Verbesserung, Erhaltung und Förderung der physischen und psychischen Gesundheit richten“, sondern übe reine Funktionspflege aus.
    Ohne Konkurrenzdenken kann ich mir auch vorstellen, dass unter guter Betreuung auch Angehörige Behandlungpflege durchführen können, was sie ja auch in der Praxis (besonders Eltern von kranken Kindern) auch schon tun.
    Ich hoffe sehr, dass diese Diskussion hier auch den Weg in andere Kanäle findet. Danke dem dbfk Nordwest.
    Enibas Gnunroh

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