Schockierende Neuigkeiten: Pflegekammer kann den Klimawandel gar nicht stoppen!

Wir werden ja nicht müde, den Menschen immer wieder zu erklären, was es mit der Kammer auf sich hat. Die Pflegekammer reguliert den Pflegeberuf im Sinne einer Selbstverwaltung. Es ist die Aufgabe einer Kammer, berufliche Richtlinien und Vorschriften zu erlassen, die für die beruflich Pflegenden verbindlich sind. Kammern überwachen also den Berufsstand, schaffen durch die Verbindlichkeit zudem auch Sicherheit, auf die sich Pflegende berufen können. Die Pflegekammer ist ein Instrument, die Menschen vor unsachgemäßer Pflege zu schützen – der Staat überträgt der Pflegekammer die Aufgabe, dafür zu sorgen.

Angesichts der zu erwartenden (oder auch bereits nachzuweisenden) Tendenz immer mehr Pflegeleistungen durch geringer qualifiziertes Personal erbringen zu lassen und mit Blick auf die demografische Entwicklung und deren Folgen muss es geradezu im Interesse der Gesellschaft sein, mit der Pflegekammer ein Instrument zu schaffen, das für die Sicherstellung der Qualität der beruflichen Pflege die Verantwortung übernimmt. Die Mitgliedschaft in der Pflegekammer wird künftig den Unterschied zwischen Laienpflege und professioneller Pflege ausmachen.

Es ist – um es ganz deutlich zu sagen – schlicht nur eine Sache der beruflich Pflegenden, ob sie eine Pflegekammer wollen oder nicht. Die Initiative kommt aus den Reihen der beruflichen Pflege, sie ist aus den Reihen der beruflichen Pflege getragen worden und sie wird am Ende durch die berufliche Pflege auch zum Ziel führen.

Den Gegnern der Pflegekammer gehen die Argumente aus und es bleibt ihnen nichts, als gebetsmühlenartig mit den immer gleichen Phrasen in der pflegenden Öffentlichkeit vor allem Emotionen zu schüren, wenn sie von Bürokratismus, Wasserkopf und hunderten von EURO Mitgliedsbeiträgen schwafeln. Und dann liest man das und denkt an die Arbeitgeberverbände und an Glashäuser und Steine.

Und während die Arbeitgeberverbände auf der einen Seite davon quatschen, dass das ja alles Geld kostet und wer denn die Fortbildungsverpflichtung bezahlt und so Zeugs, steht ihnen die Dienstleistungsgewerkschaft zur Seite und stößt ins selbe Horn. Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter – das kannst du dir nicht ausdenken. Aber sagt mal: könnten ihr euch nicht einfach mal zusammensetzen und miteinander reden? Dann könntet ihr doch auch 4-8 EUR mehr im Monat für die Pflegenden vereinbaren – das wäre in etwa der Betrag, der tatsächlich pro Monat für die Mitgliedschaft in der Pflegekammer fällig wird. Und mit der Fortbildung, da kann man doch sicher auch was vereinbaren.

Und dann wird da auch behauptet, die Pflegekammer würde junge Menschen davon abschrecken, den Pflegeberuf zu erlernen. Echt jetzt? Glaubt denn wirklich jemand, ein junger Mensch entscheidet sich gegen einen Beruf, weil dieser verkammert ist? Wenn das alles so furchtbar ist, warum gibt es denn dann immer noch junge Menschen, die sich für den Arztberuf, den Architektenberuf, den Anwaltsberuf entscheiden? Weil die mehr verdienen als Pflegende? Das mag im Durchschnitt ja stimmen – im Einzelfall sieht es vielleicht auch wieder anders aus. Und wenn man nachfragt, dann klagen auch ÄrztInnen, ArchitektInnen und AnwältInnen darüber, dass sie wirtschaftlich am Rande der Gesellschaft stehen und für die Verantwortung zu schlecht bezahlt werden und dass alles eine himmelschreiende Ungerechtigkeit sei. Merke: die Zahl gefühlter Wahrheiten entspricht offensichtlich exakt der Weltpopulation.

Ach, und noch was: eines der am häufigsten genannten Argumente gegen die Pflegekammer lautet, sie werde die Probleme in der Pflege nicht lösen. Personalmangel, Fluktuation, schlechte Bezahlung, Pflegenotstand, Imageverlust und so weiter. Liebe Gegner der Pflegekammer, das ist auch der Mist, den ihr verbockt habt, das müsst ihr schon selber gerade biegen. Ihr verdient ja auch ganz gut daran. Und wenn einer von euch irgendeinen belastbaren und aktuellen Beleg dafür findet, dass die Pflegekammer antritt, um diese Probleme zu beseitigen, geben wir einen aus. Wir – die beruflich Pflegenden – stehen mehrheitlich hinter den Emanzipationsbestrebungen und einer Professionalisierung unseres Berufes. Das materialisiert sich in unseren Bestrebungen zur Errichtung einer Pflegekammer. Keine und keiner von uns Pflegenden – und wir betonen: nicht eine einzige, nicht ein einziger und auch nicht wir alle zusammen – ist Schuld an der Situation. Die haben uns andere eingebrockt. Genauso gut könnte jemand behaupten, wir hätten auch den Klimawandel zu verantworten. Und nun lasst uns!

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2 Kommentare zu Schockierende Neuigkeiten: Pflegekammer kann den Klimawandel gar nicht stoppen!

  1. Jerry Cornelius sagt:

    Mein lieber DBfK Nordwest, als es ernst wurde mit der Pflegekammerdiskussion hat sich gerade der DBfK viel Mühe gegeben, bei Pflegenden die Hoffnung zu erwecken, genau das könne die Pflegekammer tun (Probleme wie „Personalmangel, Fluktuation, schlechte Bezahlung, Pflegenotstand, Imageverlust und so weiter“ zu lösen). „Und darum die Pflegekammer“ war der Kommentar zu jedem Problem, dass das Bodenpersonal in Facebook-Kommentaren ansprach. Das war nicht seriös!
    Und die ganze Diskussion wurde auf eine Art und Weise geführt, sicher nicht nur vom DBfK, dass kein Vertrauen in Funktionäre entstehen konnte. Das machte alles den Eindruck von Bauernfängerei und neue Pfründe sichern, die Meinungshoheit in einer zum Teil meinungslosen und am Thema Pflegekammer uninteressierten Masse zu sichern.
    Der DBfK ist zwar der einzige relevante Berufsverband der Pflege, aber er vertritt nur einen Bruchteil der Pflegekräfte. Teuere Kasperaktionen wie „eine Rose für die Pflege“ zielten gnadenlos an den wahren Bedürfnissen von Pflegekräften vorbei. Wie sollen Funktionäre in einer Pflegekammer Interessen der Basis vertreten, wenn sie schon im Vorfeld die Nöte der Basis nicht erkennen.
    Der Mitgliedsbeitrag von 4-8 Euro wird maximal die Verwaltungskosten decken (und vielleicht ab und zu eine alberne Imagekampagne), für großen Einfluss ist es unterfinanziert. Die Pharmazie buttert Beträge in die Lobbyarbeit, dagegen wird das Pflegekammerbudget wie Portokosten erscheinen.
    Nicht vergessen darf man, dass das Instrument Pflegekammer eine Auslagerung staatlicher Kontrolle und Verantwortung an Vertreter der Berufsgruppe ist. Es ist keine wirklich demokratische Instanz. Sie kann dennoch für Pflegekräfte durchaus positiv sein, muss aber nicht. Sobald sie allerdings installiert ist, wird man sie nicht mehr los und jeder Konstruktionsfehler schreibt sich in die Zukunft fort. Das Misstrauen, dass sich die üblichen Verdächtigen in entsprechende Ämter wählen lassen und dort vor allem ihre eigenen Vorstellungen von „Schöner Pflegen“ bebrüten, als sich um die Sorgen des Fußvolkes zu bemühen, ist das wirklich unberechtigt?
    Ich – der beruflich Pflegende – stehe nur sehr eingeschränkt hinter der Form von Emanzipationsbestrebungen und der Form der Professionalisierung unseres Berufes, die der DBfK propagiert. Die Akademisierung sehe ich zwar zu Teil positiv, sie war sicherlich im Hilde Steppe’schen Sinne notwendig. Die vom DBfK propagierten Bestrebungen werten aber die bestehenden Ausbildungen ab und das beschränkt sich nicht auf zukünftige Pflegekräfte. Das jetzige Fußvolk rückt mit der Weiterentwicklung der Akademisierung rangmäßig immer weiter nach unten. Das wird sich früher oder später auch pekuniär niederschlagen. Eine Übergangslösung im Sinne von Gleichstellung traditioneller und neuer akademischer Ausbildungswege hat schon bei den Lehrern für Pflegeberufe nicht geklappt. Mal schauen, ob auch die Intensivpflegekräfte in ihrer Anerkennung abgewertet werden, sobald in Folge der Generalistik die Weiterbildungen akademisch gestaltet werden. Die Bestrebungen zur Errichtung einer Pflegekammer sehe ich kritisch. Sicher sind da Chancen, aber ob die den finanziellen Aufwand wert sind? Unklar ist auch, ob der Mitgliedsbeitrag wirklich so niedrig ausfällt. Die Weiterbildungspflicht ist noch ungeklärt. Wer die Kosten von DBfK-Fortbildungen mit seinem Salär in Verhältnis setzt, dem graut es davor, seine Weiterbildungen selbst finanzieren zu müssen.
    Richtig ist: „Keine und keiner von uns Pflegenden ist Schuld an der Situation. Die haben uns andere eingebrockt.“ Es ändert aber nichts daran, dass die Attraktivität des Pflegeberufs auf Sinkflug ist, da nutzt das hohe Ansehen von Pflegekräften in der Öffentlichkeit wenig. Dass der Umbau des Gesundheitssystems auf Kosten der Pflegekräfte geht, daran hat kaum mehr einer einen Zweifel. Personalmangel, Arbeiten in Notbesetzung als Dauerzustand, Verfall pflegerischer Kompetenz durch dauerhafte Arbeitsüberlastung, mit Mitte 20 berechtigte Zweifel haben, dass man das Rentenalter im Beruf erreichen kann, diese Probleme wird die Pflegekammer nicht lösen. Schön, dass du das jetzt auch behauptest …. aber so zu tun, dass der DBfK und seine Vertreter das schon immer so gesagt hätte, ist schlichtweg unwahr und der selbstgerechte Ton dieses Blogs ist unangemessen. Kritische Selbstreflexion und offene Diskussion auf der Hand liegender Argumente wären zumindest mir sympathischer gewesen als diese Form von selbstgerechter Selbstüberhöhung.

  2. Pingback: Pippi Langstrumpf ist Schuld an der Pflegekammer! | momentnotaufnahme

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